Nicht nur in Amerika gibt es Unternehmen die derzeit Communities und Social Media Dienste nutzen um Ihre Produkte in einem positiveren Licht darzustellen. Ob das über bezahlte Bewertungen, oder einfach einen Dienstleister gemacht wird der in Foren oder Communities rumspuckt. Der Unterschied ist, dass es in Deutschland nur wenige Personen auf diesem hohen Niveau hinbekommen, damit es keiner bemerkt. In dieses Fettnäpfchen sind schon einige deutsche Unternehmen getreten.
Ich will keine Anleitung erteilen wie diese Art der Manipulation funktioniert, trotzdem will ich ein wenig auf die Tricks und Kniffe dieser Personen eingehen. Schließlich sollte man als Community Manager auch wissen ob „Faker“ in der eigenen Community ist.
Kurz zu der genauen Vorgehensweise des Fakens in den USA:
- Es wird eine „virtuelle“ Person erstellt. Heißt dieser Name wird auf verschiedenen Diensten angemeldet, optimalerweise sucht man sich den Ort und den Namen einer Person aus die es auch in der Realität wahrscheinlich gibt. Es kann sogar soweit gehen, dass man wirklich eine real existierende Person übernimmt welche Online nicht oder kaum aktiv ist.
- Die Accounts auf den verschiedenen Plattformen sollten mit Leben und Inhalt gefüllt werden. Ein paar Diskussionen zu verschiedenen Themen die nichts mit dem Produkt oder der Dienstleistung zu tun haben. Im Endeffekt versucht man sich als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft auszugeben. Optimalerweise hat man neben der Mailadresse auch noch Instant Messanger Daten hinterlegt und quatscht darüber mit den „Multiplikatoren“ der Community.
- Nach 1-2 Monaten (je länger desto besser), hat man eine Reputation mit seinen Accounts aufgebaut und kann nun in die vollen gehen. Entscheidend bei der Bewerbung bzw. Bewertung eines Produktes niemals „offensichtlich“ Werbung machen. Heißt eher über die Hintertür. „Ich suche ein Fernseher? Kann mir jemand helfen?“ – sobald Rückantwort kommt kann man anfangen mit. „Habe mich erkundigt in xyz und mir wurde das empfohlen. Was meint ihr dazu?“ und zu guter Letzt: „ich habe das Gerät gekauft und bin echt begeistert. Zwar ist die Menüführung/Handbuch etc. nicht so toll, aber vom Bild her der absolute Hammer..“ Niemals zu begeistert von einem Produkt sein, sondern versuchen auch ein paar nicht gravierende Fehler oder Missstände ansprechen.
- Schon hat man seinen Samen gelegt und weiter geht es – optimalerweise hat man 5-10 solcher Accounts (natürlich mit verschiedenen Orten und passenden IP Adresse) und schon kann die Fakekampagne in verschiedenen Netzwerken starten.
Wie kann man so jemanden entlarven?
Wenn jemand richtig gut ist und viel Erfahrung hat, kann man Ihn kaum entlarven. Hin und wieder gibt es die Chance Anhang von bestimmten Schreibweisen oder grammatischen Eigenarten jemanden einige Accounts zuzuschreiben. Aber oft ist das zu schwer und man muss seine Community und oder schon sehr genau kennen um so etwas aufzudecken.
Trotzdem sollte man immer vorsichtig sein gegenüber Leuten die über kurze Zeit 1-2 Monaten sehr aktiv sind und nach einigen Produktbeiträgen auf einmal in die Inaktivität verschwinden.
Ich habe jemanden entlarvt, was mache ich jetzt?
Ob man diese Person, die Firma oder sonst jemand an den Pranger stellt ist die Sache der einzelnen Person. Entscheidend ist, dass bei diesen Firmen und Dienstleistern ein Umdenken stattfindet, welches man eben nur mit dem Hammer durchsetzen kann. Als Community Manager sollte man die Beiträge der Person + den Account genauer unter die Lupe nehmen und in dem Umfeld schauen ob sich nicht noch weitere Fakeaccounts eingenistet haben, denn diesen Fehler machen viele der Personen – die Accounts untereinander als Kontakte etc. zu verlinken.
Fazit
Das Risiko und die Kurzfristigkeit dieser Aktionen sind viel zu hoch um solche Aktivitäten ausführen zu lassen. Wieso? Durch die schnellen Kommunikationskanäle bei Social Media Diensten erfährt die Internetwelt sehr schnell von der Entlarvung von Fakern und den Firmen. Die Reputation fällt gewaltig und es kann dadurch auch ein finanzieller Schaden entstehen. Alleine aus diesen Gründen sollte abgeraten werden, aber es gibt noch einen weiteren. Diese Aktivitäten können nur eine bestimmte Zeit (1-2 Monate) durchgeführt werden, denn je länger diese durchführt werden desto höher die Chance entlarvt zu werden. Innerhalb 1-2 Monaten kann kein wirkliches Netzwerk aufgebaut werden, welches für ein Produkt wichtig wäre.
Deshalb als Empfehlung: Wenn schon asymetrisches Community Management (oder nennen wir es dezentrales), dann offen und ehrlich. Die Sympathiepunkte die dadurch einen Dialog mit den Usern entstehen werden sich langfristig auch finanziell lohnen. Wenn jetzt noch der Wille zur Selbstreflektion vorhanden ist, kann dezentrales Community Management ein Kanal werden, welcher zum Unternehmenserfolg maßgeblich beiträgt.