Black Community Management: Grundrauschen und Umsatz erzeugen bei Singlebörsen
Bevor ich in die Materie direkt einsteige, möchte ich klar und deutlich sagen, dass dies nicht für alle Singlebörsen gilt. Außerdem hat diese Methode nichts mit gesundem Wachstum zu tun, sondern eher etwas mit Abzocke. Trotzdem möchte ich, dass andere Community Manager und Interessierte verstehen, wie Singlebörsen teilweise funktionieren. Um es noch mal deutlich zu sagen: a) nicht alle Singlebörsen agieren so und b) überlegt euch gut, ob ihr so etwas machen wollt.
In der letzten Zeit hatte ich einige Gespräche mit Personen, die mehr über das Thema Singlebörsen und Community Building wissen wollten. Außerdem nehme ich eine Singlebörse, bei der ich genau weiß, wie das Modell funktioniert, als Beispiel für Seminare und Schulungen.
Die erste Mio. Nutzer im Handumdrehen
Habt ihr euch nicht schon mal gefragt, wieso eine neue Singlebörse innerhalb weniger Wochen mehr als 100.000 oder eine Million Nutzer hat? Das kann doch nicht so schnell klappen oder doch? Außerdem stellt sich auch mir immer die Frage, wieso sich so nette und gutaussehende Mädels bei solchen Diensten anmelden.
Zu allererst: Ja, es gibt auch gutaussehende Frauen und Mädchen, die sich bei solchen Diensten anmelden. Schließlich sucht inzwischen mehr als 40% aller europäischen Singles seinen Partner online. Trotzdem ist es schon etwas komisch, dass von Anfang an so tolle Frauen zu finden sind.
Wie schafft man so was? Ganz einfach. Und zwar werden meist Bilddatenbanken aus dem westlichen Ausland gekauft. Dabei ist es wichtig, dass die Bilder von Personen sind, die eine ähnliche Herkunft haben, damit die Leute auch denken, dass die Personen aus der Nähe sind. Hierbei werden einfach die Bilder mit Orten, Namen, Hobbys usw. in einer Datenbank vermischt und schon hat man innerhalb kurzer Zeit hunderttausende Profile. Dabei wird darauf geachtet, dass in jeder PLZ ein paar Leute zu finden sind. In den Städten natürlich wesentlich mehr. Neben Frauen werden auch einige Männer eingestellt, wobei die Quote stark frauenlastig ist.
So das „Grundrauschen“ bzw. die ersten Profile sind eingestellt. Damit hat man innerhalb kürzester Zeit eine kritische Masse aufgebaut – jedenfalls für Außenstehende, die sich anmelden. Denn wenn niemand in der Singlebörse ist, meldet man sich auch nicht an.
Der erste Umsatz und wie dies optimiert werden kann
Und der nächste Streich folgt sogleich. Jetzt wird die Vermarktung begonnen und unzählige Affiliatedienste bieten den Webseitenbetreibern tolle Provisionen an, Adwords Kampagnen überschwemmen unzählige Webseiten usw. Im idealsten Fall nutzt man auch noch ein paar TV Spots. Besonders die „Adult-Plattformen“ haben nachts eine Reihe von Werbungen gebucht. Die ersten Personen kommen auf die Seite und melden sich an. Natürlich ist die erste Woche kostenlos, damit der Nutzer auch sieht, dass eine rege Aktivität herrscht. Der User bekommt von 10 verschickten Anfragen vielleicht 1-2 als Antwort zurück, aber erst – und das ist der große Trick – 1-2 Tage bevor seine kostenlose Mitgliedschaft erlischt. Wichtig dabei ist, dass die schönsten Frauen (ja ich weiß, so was ist subjektiv), noch nicht antworten. Da wird genau auf den Tag gewartet, bei dem die kostenlose Premiummitgliedschaft erlischt. Teilweise werden auch ein paar Tage drangehängt, damit es nicht so offensichtlich ist. So, und jetzt wird mit der Dummheit von Männern gespielt. Während er sowieso schon zu 2 Fakes Kontakt hat und sich bei den beiden überlegt hat, ob er keinen Premiumaccount abschließen soll, wird er jetzt richtig übers Knie gelegt. Die schönste Frau hat ihm geschrieben und findet sein Profil toll und ihn interessant. Welcher Mann würde das nicht gerne hören und schwupps wird der Premiumaccount bestellt. Meist kostet ein Monat soviel Geld, dass es sich schon von Anfang an lohnt einen für 3-6 Monaten abzuschließen. Es gibt sogar Singlebörsen, die ein Abomodell fahren und die Kündigung ist recht kompliziert. Somit werden wichtige Barrieren geschaffen, die nicht so einfach zu umgehen sind. Nebenbei, sobald der Premiumaccount erneut ausläuft, kann man es gleich wieder versuchen mit hübschen Damen. Männer haben meist so ein Ego, dass man sie auch zweimal hinters Licht führen kann, ohne dass sie es merken.
Es gibt auch einige seriöse Singlebörsen, aber viele funktionieren genau nach diesem Prinzip. Besonders im Adult Bereich ist dieses System gang und gäbe. Es ist recht schade, aber im Endeffekt kann man die Börsen gar nicht erwischen bei diesem Prinzip. Denn es ist nun mal so, dass sehr viele Accounts auch bei seriösen Singlebörsen nicht mehr genutzt werden. Heißt, man baut eine große Zahl an Anmeldungen auf und löschte diese nach langer Inaktivität nicht…
Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Wichtig hierbei ist, dass so etwas fast nur mit Männern gemacht wird, denn Frauen durchschauen relativ schnell das System.






5. Februar 2010 um 18:47
Danke für die ausführliche Beschreibung. Die Fakes waren mir klar, das raffinierte Timing jedoch nicht. Hatte da einfach noch keine Berührungspunkte. Wobei ich bei solchen Seeding-Verfahren nun keinen wirklichen Bezug zum Community Management sehe – die Community existiert nicht.
5. Februar 2010 um 18:50
Interessant! Genauso funktioniert es sicher – aber sind die Männer wirklich so dumm? Ich habe mich auch einmal mit dem Thema beschäftigt, irgendwann ist es auch eine Art Sucht, immer neue Leute kennen lernen, immer noch was besseres finden. Darum ist Frischfleisch wichtig und das kostet…
5. Februar 2010 um 18:55
Moe, für jede neue Online-Plattform gilt, dass am Anfang keine Community existiert. Somit gehört das (künstliche) Ankurbeln der Community durchaus zum Management der selbigen dazu.
5. Februar 2010 um 18:58
Ja, nur macht ein Haufen Fake-Accounts keine Community. Und Single-Börsen haben meist nur wenig Community-Elemente, da der Großteil der Kommunikation nichtöffentlich verläuft. Grundsätzlich geht Seeding auch ohne Fake-Accounts wenn man bereit ist, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen.
5. Februar 2010 um 19:18
Hi Moe,
ja du hast recht, so etwas gehört nicht wirklich zum Community Management sondern eher Community Building. Im Endeffekt ist es so es gibt nur wenige Arten ein “Grundrauschen” zu erzeugen. Während es bei den meisten Themen schon reicht das eigene Netzwerk mit einzuspannen und darüber es dann schaffen. Siehe Qype, OpenBC (heute XING), so haben Singlebörsen einen schweren Stand.
Wieso?
Neue Singlebörsen auf denen keiner angemeldet ist, sind so uninteressant, dass sich niemand anmeldet. Heißt es wird eine Erstbefüllung gemacht…
Das eigene Netzwerk in die Singlebörse bringen ist nur bedingt möglich. Leute in festen Partnerschaften sollten sowas lieber sein lassen. Bei Singlebörsen die eher in den “Adult” Bereich gehen, würde ich meine Bekannten eher nicht informieren und reinziehen…
Ich gebe dir mit dem Seeding nur bedingt recht, denn du meldest dich bei keiner Singlebörse an wenn niemand da ist.
6. Februar 2010 um 01:21
@Malte: Grundsätzlich hast du nicht unrecht, aber so pauschal würde ich das nicht unterschreiben. Eines der großen Geheimnisse im Aufbau von Online-Communitys ist ja gerade, dass man im günstigen Fall für bestehende (Offline-)Gemeinschaften eine Plattform für den virtuellen Austausch schafft. Eine große Zahl der heute erfolgreichen Communitys kann auf eine solche Historie zurückblicken, nicht zuletzt Facebook, StudiVZ und z.B. auch diverse Hunde-, Pferde- und Katzenplattformen.
Bei bestimmten Themen, vor allem im ohnehin hart umkämpften Singlemarkt, bekommt man heute ohne Fakeaccounts zum Start aber definitiv kein Bein auf den Boden.
6. Februar 2010 um 03:14
Richtig Daniel,
wobei man hier dazu sagen muss, dass StudiVZ und Facebook auch erstmal nur eine Nischengruppe angesprochen haben und dann nach und nach sich dem breiten Markt geöffnet haben….
7. Februar 2010 um 19:37
Klingt irgendwie nicht danach, als sei der Job ‘Community-Building-Verantwortlicher einer Singlebörse’ sonderlich anspruchsvoll. :q
7. Februar 2010 um 22:12
Da gebe ich dir nur bedingt recht – im Endeffekt ist der Betrieb einer Singlebörse sehr anspruchsvoll. Als CM hat man einen direkten Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg.
Der Umsatz der generiert wird ist zu einem hohen Prozentsatz durch den CM generiert.
8. Februar 2010 um 02:09
Das bezweifle ich ja nicht; ich bezog mich in erster Linie auf den Prozess des Datenbankeinpflegens und Interessevortäuschens.