Interview-Reihe: Nico Zorn – Betreiber von produki.de

Nico Zorn ist schon seit vielen Jahren im Online Business unterwegs. Er war lange Zeit in leitenden Positionen im Segment Internet Marketing bei unterschiedlichen Unternehmen tätig, bis er 2008 die Unternehmensberatung saphiron GmbH gründete und im gleichen Jahr die Plattform Produki startete. Er hielt schon Vorträge auf unzähligen Tagungen und Veranstaltungen und schreibt Fachartikel im eigenen Blog. Nebenbei moderiert er auch die größte XING Gruppe zum Internet Marketing mit über 22.000 Mitgliedern.In diesem Interview werden wir ihn zur Vermarktung von Communities befragen.

Hallo Nico, vielen Dank für deine Zeit. Hoffe wir haben in deiner kurzen Vorstellung die wichtigsten Sachen geschrieben. Gibt es noch etwas was die Leser über dich wissen sollten?

Vielen Dank, Deine Vorstellung enthält alle wichtigen Dinge, die ich bislang gemacht habe. Ansonsten steht unter http://twitter.com/nicozorn das, was ich jetzt gerade mache :-)

Vor der eigenen Vermarktung der Community steht die Entwicklung, gibt es Punkte die man zum Start der Entwicklung für die spätere Vermarktung beachten muss?

Es ist sicherlich sinnvoll, sich zunächst auf die Entwicklung eines wirklich guten Produkts zu konzentrieren. Die spätere Monetarisierung sollte dabei aber nicht aus den Augen verloren werden. Relevante Fragen in diesem Zusammenhang sind beispielsweise, ob die Teilnahmebedingungen spätere Vermarktungsansätze bereits berücksichtigen zum Start sollten, ob es Schnittstellen zu anderen Diensten geben wird oder, um ein ganz banales Beispiel zu nennen, ob im Layout bereits Fläche für Werbung freigehalten werden muss.

Mit Produki.de habt ihr 2008 eine Community eröffnet, die quasi als Wiki für Produkte zu verstehen ist. Welche Wege seid ihr im Community Building während der Closed-Beta gegangen? Besonders unter dem Gesichtspunkt, dass relativ viele aktive Nutzer während dieser Phase teilgenommen haben.

Wir waren selber überrascht, wie viele Nutzer sich für die Closed Beta Phase registriert und aktiv mit ihrem Feedback bei der Entwicklung der Plattform mitgeholfen haben. Wir hatten das Glück, dass viele Blogger über den Start geschrieben haben (u.a. auch Eikyo.de :-) und auf diesem Weg das Interesse bei den Nutzern geweckt wurde. Einen zusätzlichen Schub gab es durch die Vorstellung von produki auf einem Bonner Webmontag, der eine kleine “virale Welle” ausgelöst hat. Grundsätzlich haben wir uns weniger auf eine “Marketing-Show”, sondern auf das Produkt und unsere Community fokussiert.

Wir versuchen von Anfang an, zu möglichst vielen Nutzern einen persönlichen Kontakt aufzubauen und auf Fragen und Anregungen zu reagieren. In einem Start Up ist das manchmal aufgrund der begrenzten Ressourcen nicht einfach, aber wir geben unser Bestes ;-) Ich glaube, dass dieser persönliche Kontakt durch nichts zu ersetzen ist. Auch ein (personalisierter) Newsletter kann eine wirklich persönliche Mail oder gar ein Gespräch nicht ersetzen.

Die Öffnung der Plattform für alle Interessierten war im Mai 2009. Wie hat sich diese auf die Nutzerzahl ausgewirkt? Wurde ein massives Wachstum ermöglicht oder hat sich dies nicht sonderlich auf die Plattform ausgewirkt, da Closed-Beta Nutzer Freunde und Bekannte sowieso schon einladen konnten?

Das Wachstum hat sich seit dem offiziellen Launch deutlich beschleunigt, da wir einen großen Teil der Besucher über Suchmaschinen und verschiedene Aktionen (z.B. Gewinnspiele) gewinnen. Viele der besonders engagierten Nutzer konnten wir aber tatsächlich in der Closed Beta Phase gewinnen – zum Glück sehen wir aber auch in diesem Bereich ein Wachstum ;-)

Welchen konkreten Tipp gibst du Betreibern von Communities für ihren Launch?

Sorgt unbedingt für Aktivität auf Eurer Plattform, bevor sie live geht! Nutzt die Beta-Phase nicht nur als funktionalen Test, sondern auch im die verschiedenen Bereiche Eurer Community mit Inhalten zu füllen. Gerade zum Launch werden aufgrund von Presseartikeln und Blogpostings viele potentielle User vorbeischauen und wie immer gilt: Der erste Eindruck zählt. Finden die Nutzer keine aktuellen Inhalte und aktive Nutzer vor, werden sie vermutlich nie wieder vorbeischauen.

Gehen wir Weg von der Vermarktung um Nutzer zu generieren, hin zur Monetarisierung. Gibt es hier einen Königsweg?

Ich glaube nicht, dass es ein auf sämtliche Communities übertragbares Erfolgskonzept gibt. Grundsätzlich halte ich die klassische Reichweitenvermarktung in den meisten Fällen für ungeeignet – allein schon deshalb, weil in den meisten Fällen schlichtweg die Reichweite fehlt. Communities, die sich auf ein Thema oder eine Zielgruppe fokussieren, können aber durchaus mit einer intelligenten Integration von Sponsoren Umsätze generieren, zumal das Interesse an entsprechenden Werbeformen bei den werbetreibenden Unternehmen sicherlich noch deutlich ansteigen wird.

Ab welchem Zeitpunkt macht für dich eine Monetarisierung der Plattform Sinn? Und wieso genau zu diesem Zeitpunkt?

Grundsätzlich halte ich einen langen Atem bei dem Aufbau einer Community für eine wichtige Voraussetzung. Wer im ersten Jahr nach dem Launch mit schwarzen Zahlen plant, macht sicherlich einen Fehler und läuft Gefahr, auf zu aggressive Vermarktungsformen setzen zu müssen. Auf der anderen Seite sind dezente und zum Kontext passende Werbeformate, wie zum Beispiel Google AdSense, weitgehend akzeptiert. Es spricht also nichts dagegen, relativ früh dezente Werbeformate zu testen, damit man sich einen Eindruck von einem realistischen TKP machen kann. So haben wir auf produki seit einigen Wochen auch zum Produkt passende Preise integriert – was von unseren Nutzern explizit gewünscht wurde. Mit diesem Preisvergleich können wir den Traffic monetarisieren, ohne störende oder aggressive Werbeformate einzusetzen.

Wieso schaffen es deiner Meinung nur sehr wenige deutsche Communities schwarze Zahlen zu schreiben?

Ich glaube, dass noch zu wenig experimentiert und zu sehr in der klassischen Reichweitenvermarktung gedacht wird. Ein großes Problem ist dabei natürlich auch die Zurückhaltung bei den werbetreibenden Unternehmen, die nach wie vor lieber “einfache” TKP-Kampagnen buchen anstatt mit neuen Werbeformen in Communities zu experimentieren.

Welchen Vorschlag hast du für die Unternehmen die ihre Monetarisierung bis dato nicht hinbekommen haben?

Es ist schwierig, hier einen allgemeinen Ratschlag zu geben, da mögliche Monetarisierungs-Strategien natürlich stark von er jeweiligen Community und deren Zielgruppe abhängen. Es kann Sinn machen, sich stärker auf eine Zielgruppe zu fokussieren, um ein für Werbekunden attraktives Umfeld zu schaffen. Vielleicht gibt es aber auch Whitelabel-Angebote, die sich sinnvoll in das eigene Angebot integrieren lassen und zusätzliche Erlöse generieren können. Premium-Zugänge können unter gewissen Bedingungen ebenfalls funktionieren, die Plattform Fotocommunity.de ist hierfür ein schönes Beispiel.

Kurz die letzte Fragen: Gibt es eigentlich konkrete Unterschiede zwischen der Vermarktung eines Produktes und einer Community?

Der Dialog mit potentiellen Kunden spielt bei der Vermarktung einer Community eine (noch) größere Rolle als bei der Vermarktung eines Produkts. Natürlich gewinnt Social Media insgesamt im Marketing-Mix an Bedeutung, für die Vermarktung einer Community ist es jedoch essentiell.

Nochmals vielen Dank für die Zeit die du genommen hast. Du kannst gerne noch ein paar letzte Worte an die Leser richten. Z.B. Welche Quellen ihnen weiterhelfen können etc.

Der Community Summit in Hamburg ist eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung und eine tolle Möglichkeit, um sich mit anderen Community-Betreibern auszutauschen. Empfehlenswert ist auch das Buch “Online-Communities im Web 2.0: So funktionieren im Mitmachnetz Aufbau, Betrieb und Vermarktung
” von Miriam Godau und Marco Ripanti. Last but not least erlaube ich mir einen Hinweis auf unseren Twitter-Account. Unter http://twitter.com/produki informieren wir über Neuigkeiten auf produki und interessante neue Gadgets.


 
 
 

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