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Black Community Management: Grundrauschen und Umsatz erzeugen bei Singlebörsen

Bevor ich in die Materie direkt einsteige, möchte ich klar und deutlich sagen, dass dies nicht für alle Singlebörsen gilt. Außerdem hat diese Methode nichts mit gesundem Wachstum zu tun, sondern eher etwas mit Abzocke. Trotzdem möchte ich, dass andere Community Manager und Interessierte verstehen, wie Singlebörsen teilweise funktionieren. Um es noch mal deutlich zu sagen: a) nicht alle Singlebörsen agieren so und b) überlegt euch gut, ob ihr so etwas machen wollt.

In der letzten Zeit hatte ich einige Gespräche mit Personen, die mehr über das Thema Singlebörsen und Community Building wissen wollten. Außerdem nehme ich eine Singlebörse, bei der ich genau weiß, wie das Modell funktioniert, als Beispiel für Seminare und Schulungen.

Die erste Mio. Nutzer im Handumdrehen

Habt ihr euch nicht schon mal gefragt, wieso eine neue Singlebörse innerhalb weniger Wochen mehr als 100.000 oder eine Million Nutzer hat? Das kann doch nicht so schnell klappen oder doch? Außerdem stellt sich auch mir immer die Frage, wieso sich so nette und gutaussehende Mädels bei solchen Diensten anmelden.

Zu allererst: Ja, es gibt auch gutaussehende Frauen und Mädchen, die sich bei solchen Diensten anmelden. Schließlich sucht inzwischen mehr als 40% aller europäischen Singles seinen Partner online. Trotzdem ist es schon etwas komisch, dass von Anfang an so tolle Frauen zu finden sind.

Wie schafft man so was? Ganz einfach. Und zwar werden meist Bilddatenbanken aus dem westlichen Ausland gekauft. Dabei ist es wichtig, dass die Bilder von Personen sind, die eine ähnliche Herkunft haben, damit die Leute auch denken, dass die Personen aus der Nähe sind. Hierbei werden einfach die Bilder mit Orten, Namen, Hobbys usw. in einer Datenbank vermischt und schon hat man innerhalb kurzer Zeit hunderttausende Profile. Dabei wird darauf geachtet, dass in jeder PLZ ein paar Leute zu finden sind. In den Städten natürlich wesentlich mehr. Neben Frauen werden auch einige Männer eingestellt, wobei die Quote stark frauenlastig ist.

So das „Grundrauschen“ bzw. die ersten Profile sind eingestellt. Damit hat man innerhalb kürzester Zeit eine kritische Masse aufgebaut – jedenfalls für Außenstehende, die sich anmelden. Denn wenn niemand in der Singlebörse ist, meldet man sich auch nicht an.

Der erste Umsatz und wie dies optimiert werden kann

Und der nächste Streich folgt sogleich. Jetzt wird die Vermarktung begonnen und unzählige Affiliatedienste bieten den Webseitenbetreibern tolle Provisionen an, Adwords Kampagnen überschwemmen unzählige Webseiten usw. Im idealsten Fall nutzt man auch noch ein paar TV Spots. Besonders die „Adult-Plattformen“ haben nachts eine Reihe von Werbungen gebucht. Die ersten Personen kommen auf die Seite und melden sich an. Natürlich ist die erste Woche kostenlos, damit der Nutzer auch sieht, dass eine rege Aktivität herrscht. Der User bekommt von 10 verschickten Anfragen vielleicht 1-2 als Antwort zurück, aber erst – und das ist der große Trick – 1-2 Tage bevor seine kostenlose Mitgliedschaft erlischt. Wichtig dabei ist, dass die schönsten Frauen (ja ich weiß, so was ist subjektiv), noch nicht antworten. Da wird genau auf den Tag gewartet, bei dem die kostenlose Premiummitgliedschaft erlischt. Teilweise werden auch ein paar Tage drangehängt, damit es nicht so offensichtlich ist. So, und jetzt wird mit der Dummheit von Männern gespielt. Während er sowieso schon zu 2 Fakes Kontakt hat und sich bei den beiden überlegt hat, ob er keinen Premiumaccount abschließen soll, wird er jetzt richtig übers Knie gelegt. Die schönste Frau hat ihm geschrieben und findet sein Profil toll und ihn interessant. Welcher Mann würde das nicht gerne hören und schwupps wird der Premiumaccount bestellt. Meist kostet ein Monat soviel Geld, dass es sich schon von Anfang an lohnt einen für 3-6 Monaten abzuschließen. Es gibt sogar Singlebörsen, die ein Abomodell fahren und die Kündigung ist recht kompliziert. Somit werden wichtige Barrieren geschaffen, die nicht so einfach zu umgehen sind. Nebenbei, sobald der Premiumaccount erneut ausläuft, kann man es gleich wieder versuchen mit hübschen Damen. Männer haben meist so ein Ego, dass man sie auch zweimal hinters Licht führen kann, ohne dass sie es merken.

Es gibt auch einige seriöse Singlebörsen, aber viele funktionieren genau nach diesem Prinzip. Besonders im Adult Bereich ist dieses System gang und gäbe. Es ist recht schade, aber im Endeffekt kann man die Börsen gar nicht erwischen bei diesem Prinzip. Denn es ist nun mal so, dass sehr viele Accounts auch bei seriösen Singlebörsen nicht mehr genutzt werden. Heißt, man baut eine große Zahl an Anmeldungen auf und löschte diese nach langer Inaktivität nicht…

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Wichtig hierbei ist, dass so etwas fast nur mit Männern gemacht wird, denn Frauen durchschauen relativ schnell das System.

Verkäufe ankurbeln mit einer “guten Geschichte”

Fake Beiträge gehen relativ oft nach hinten los. Belkin und Co wissen da ganz gut Bescheid. Eine andere Möglichkeit ist es durch eine Geschichte (meistens ein Fake, aber hin und wieder einfach ein Nutzer der Schabernack treibt) die Diskussion und die Bewertungen zu erhöhen. Wie dies wirklich auf kreative Weiße klappen kann, zeigen zwei Beispiele. Die Bewertungen haben das Produkt maßlos auf die Schippe genommen und haben dadurch eine Eigendynamik entwickelt.

Das aktuelle Beispiel ist das „Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant“ welches bei Amazon vertrieben wird. Mit einem unglaublich stolzen Preis von 651,20 € ist das Messer wirklich nur etwas für ganz wenige Liebhaber. Jedenfalls denkt man das im ersten Moment. Meine persönliche Meinung zu dem Produkt ist, ganz teurer Müll. Aber durch die Beiträge von vielen (über 250) Leuten konnte es das Messer sogar in die Top1000 der „Sport & Freizeit“ Charts steigen. Heißt es wurde doch einige Male verkauft…

Angefangen hat es schon mit einem Beitrag im Mai, aber richtig Fahrt aufgenommen hat es erst im Dezember 2009. Der Beitrag der es in wenigen Worten am besten beschreibt: „Mit dem Teil wird sogar Mc Gyver eifersüchtig. Und Chuck Norris kann gleich einpacken, den brenn ich mit der Superlupe weg.

Dass durch lustige Bewertungen ein Hype um das Produkt aufgebaut werden kann und die Verkaufszahlen signifikant steigen zeigen viele Beispiele. Das Beste darunter ist wohl das „Mountain Three Wolf Shirt“.

Mit dem Shirt würde sich wohl kaum jemand ernsthaft auf die Straße trauen. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt als eine Bewertung gepostet wurde, dass alle Frauen auf das Shirt stehen. Unglaubliche Geschichten passierten nur weil die Leute das Shirt anhatten… Kurzes Beispiel:

I arrived at Wal-mart, mounted my courtesy-scooter (walking is such a drag!) sitting side saddle so that my wolves would show. While I was browsing tube socks, I could hear aroused asthmatic breathing behind me. I turned around to see a slightly sweaty dream in sweatpants and flip-flops standing there. She told me she liked the wolves on my shirt, I told her I wanted to howl at her moon. She offered me a swig from her mountain dew, and I drove my scooter, with her shuffling along side out the door and into the rest of our lives. Thank you wolf shirt.“

Ende oder Anfang vom Lied ist die Charts Platzierung von Amazon bei der Kleidung. Unangefochten seit einiger Zeit auf Platz 1!

Das Fazit ist relativ einfach. Eine gute Geschichte kann durch eine sinnvolle Verbreitung und einen Dialog einen so großen „Buzz“ erzeugen, dass die Verkaufszahlen explodieren. Dabei geht es auch weniger um die Qualität oder Aussehen des Produktes selbst, sondern den Aufbau eines Kultstatus.

Wieso überhaupt Community Management?

Während meinen Schulungen bei Burda war eine der elementaren Fragen, welche gleich wohl die elementarste ist: „Wieso betreibt man überhaupt Community Management? Welchen Sinn hat es und was bringt es meinem Unternehmen oder meiner Arbeit?“ Diese Fragen können häufig von den Community Managern selbst nicht richtig beantwortet werden. Wieso sollten es dann Außenstehende können?

Als Dozent benötige ich ja eine Antwort welche stichhaltig und sinnvoll ist. Ich möchte euch diese auch nicht vorenthalten:

Vor einigen Jahren (vor der Zeit des Internets) war ein Dialog über Produkte, Dienstleistungen, Inhalte oder Personen recht umständlich. Kaum eine der Diskussionen wurde überregional geführt und dies war zum Vorteil des Unternehmens. Kritik von Lesern und Kunden konnte relativ leicht „mundtot“ gemacht werden. Man verlor maximal (laut Studie) den einen Kunden + die 9 Personen die er auf den Missstand aufmerksam gemacht hat. Meist waren von den 9 Personen nur 1-2 Kunden. Dieser „kalkulierte“ Verlust konnte in Kauf genommen werden.

Seit wenigen Jahren funktioniert die Kommunikation jedes Einzelnen im Netz aber nicht mehr 1:1. Außer vielleicht im persönlichen Chat, aber ansonsten ist diese immer automatisch 1:n. Heißt jede Kritik wird von hunderten oder im schlimmsten Fall von tausenden gelesen und hinterfragt. Unternehmen die sich diesem Dialog nicht stellen haben ein massives Problem in der langfristigen Entwicklung. Denn die Reputation fällt nicht nur, wenn man Fehler gemacht wurden, sondern auch wenn Kritik oder Anfragen ohne Reaktion bleiben.

Ein konkretes Beispiel ist in diesem Fall (nein ich möchte nicht das Unternehmen nennen oder den Redakteur) ein Artikel welcher eine recht hohe Verbreitung im Netz hatte. Dieser wurde sehr kritisch hinterfragt, da Zahlen aber auch die Meinung des Autors sehr subjektiv waren und kaum stimmen konnten. Kommentare, Blogbeiträge und „Leserbriefe (per Email)“ haben darauf aufmerksam gemacht, dass da etwas nicht stimmen kann. Der Autor und der Verlag reagierten erst gar nicht und später damit, dass die Quellen alle sehr seriös sind. Hätte sich der Autor oder der Verlag die Mühe gemacht die Kommentare richtig zu lesen, hätten sie schnell gemerkt, dass der Wahrheitsgehalt der Studie einfach unmöglich vorhanden sein konnte.

In den nächsten 2 Wochen trudelten einige Abo-Kündigungen ins Haus. Am Ende waren es über 150 Abos welche nur aufgrund des Artikels gekündigt wurden. Jetzt kann man natürlich sagen – macht ein Artikel soviel aus? Nein sicher nicht, aber die Reaktion des Verlags hat hier den Ausschlag gegeben. Journalisten und Verlage dürfen Fehler machen, aber diese müssen eingestanden und korrigiert werden. An Fehlern festzuhalten und damit die Meinung der „Experten“ in den Blogs und Kommentaren nicht zu beachten kann eine solche Reaktion der Kunden hervorrufen.

So was bringt nun Community Management und wieso sollte man es machen?

Man kann es denke ich auf zwei Bereiche runterschrauben:

  1. Kunden gewinnen
  2. Kunden nicht verlieren

Ist das wirklich so einfach? Ja ist es. Kunden können gewonnen werden, da ein offener Umgang mit Kritik einen Servicegedanken enthält welcher von den meisten Kunden geschätzt wird. Ich habe ein Problem oder eine Anregung – wenn darauf angemessen reagiert wird bin ich als Kunde zufrieden, empfehle weiter und kaufen zukünftig weitere Produkte des Unternehmens.

Kunden nicht verlieren
Oft ist das eigene Produkt nicht das Beste auf dem Markt, heißt die Schwelle für den Kunden ein anderes zu kaufen ist „relativ gering“ (Preis und Co spielen natürlich auch eine Rolle). Trotzdem bleibt der Kunde dem Produkt und dem Unternehmen „loyal“ verbunden, da er konkret sieht, dass das Unternehmen an der Verbesserung des Produktes arbeitet und seine Vorschläge mit einbezieht. Das Unternehmen reagiert auf die Wünsche und Äußerungen des Kunden und erheben somit den Stand des Kunden. Weg vom „lästigen“ Service….

Um es kurz zu sagen – Community Management ist für den offenen Dialog in Communities und Social Media Diensten perfekt um die Belange der Unternehmen zu wahren und langfristig die Kunden zu binden. Entscheidend dabei ist aber, dass das Unternehmen auch ein klares Statement zum offenen Dialog gibt. Manchmal muss man „weich“ sein und Fehler eingestehen um erstarkt aus der Diskussion zu gehen. Ein unzufriedener Kunde, der zum zufriedenen Kunden gemacht wird, ist die beste Werbung die man haben kann!

Rückblick Hauptversammlung Bundesverband Community Management e.V.

Gestern fanden die Hauptversammlung des Bundesverbands Community Management e.V. und später das Get-Together in Frankfurt statt. Denke einen Tag später kann man zurückblicken und die Erlebnisse schildern.

Die Location war direkt bei der neuen Digitalen/razorfish in Frankfurt am Main. Ein großes Dankeschön an Dirk für die Bereitstellung der Location, die Versorgung mit Frühstücksutensilien und die gesamte Organisation vor Ort. Es ist uns allen nicht schwer gefallen zu verstehen wieso ihr so kreativ seid.

Die Hauptversammlung begann mit organisatorischen und typischen Verbandsinformationen. Rückblick des Jahres 2009: Was wurde geschaffen? Wie ist die finanzielle Lage des Verbands. Dies Themen gehören bei einem e.V. einfach dazu. Danach wurde es spannend, denn unser alter 1. Vorsitzender Tom Noeding hat sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Im Endeffekt wurden aber die ehemaligen Vorstandsmitglieder und ein neues Gesicht in der neuen Wahl bestätigt bzw. neu gewählt. Silke Schippmann, Daniel Langwasser, Linda Konter und meine Wenigkeit werden in den kommenden zwei Jahren den Vorstand des Verbandes bilden. Vielen Dank für euer Vertrauen in unsere Arbeit.

Der Weg führte dann in Richtung Mittagspause. Denn nach einigen Stunden der Information und der Wahl, mussten wir uns für den zweiten Teil der Hauptversammlung rüsten. Dieser bestand nämlich aus zwei wichtigen Punkten. Darunter die Änderung der Satzung und die Definition der Ziele.

Kurz zu den Änderungen innerhalb der Satzung. Der Verband wird sich massiv öffnen für:

  • Personen die eine Ausbildung in diese Richtung einschlagen möchten. Dabei ist es zweitrangig ob Student, Volontariat oder klassische Ausbildung mit dem Ziel Community Manager zu werden.
  • Unternehmen welche in dem Segment schon tätig sind. Diese sollen auch aktiv in dem Verband mit eingebaut werden.
  • Arbeitslose Community Manager (auch wenn es wahrscheinlich noch nicht viele gibt) – diese wollen wir zum einen Infos über Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, aber auch im besten Fall diese Personen weitervermitteln.

Gegen Ende hin haben wir gemeinsam die Ziele für das Jahr 2010 definiert und können mit fug und recht behaupten, dass wir hier sehr stark die Unternehmen wie auch die Community Manager mit Informationen und Hilfen zur Verfügung stehen wollen. Klar ist, dass das Berufsbild des Community Managers, aber auch die Beschreibung von Community Management in der Vergangenheit noch auf sehr wackligen Füßen gestanden hat. Hier werden wir in diesem Jahr Abhilfe schaffen!

Bei Get Together waren wieder alle mit von der Partie und einige nicht BVCM-Mitglieder haben sich angeschlossen. Bei einem oder zwei Glässern Äppelwein (waren ja in Frankfurt) wurden viele Sachen rund um die Zukunft des Community Managements besprochen. Denke diese Veranstaltung war für jeden der sich heute aber auch in Zukunft mit dem Bereich beschäftigt ein Pflichttermin.

Freue mich euch alle: Daniel, Dirk, Silke, Linda, Tom, Jean-Paul, Stefan, Christian, Andreas, Stephanie, Arno, Florian, Werner und Sebastian wieder zusehen, bei der Halbjahres Veranstaltung des BVCM.

Interview-Reihe: Daniel Langwasser, selbstständiger Community Manager

Daniel Langwasser

Daniel Langwasser kann man wohl getrost als alten Hasen im jungen Community Management Geschäft betiteln. Seit über 10 Jahren betreibt er eine kleine aber feine Community zum Thema künstlerische Fotografie. Besonders in diesem Bereich konnte er durch gezieltes Community Management seine Zielgruppe erreichen und an die Plattform binden. Mit Trollen und Co hat er in der Zeit oft genug zu tun gehabt und konnte durch bestimmte Maßnahmen ein Umfeld schaffen, welchen es den Trollen kaum Spaß macht vorbei zu schauen. Neben seinen eigenen Portalen arbeitet er auch als freier Community Manager und gibt Schulungen in dem Bereich Forenmoderation. Den meisten Leuten wird er wohl als Betreiber von community-management.de ein Begriff sein.

Im Interview werden Fragen zu allgemeinem Community Management, den Unternehmen aber auch seiner praktischen Arbeit bei akt.de und Co gestellt.

Hallo Daniel,
vielen dank für die Zeit. Haben wir in der Vorstellung zu deiner Person irgendetwas Wichtiges vergessen?

Gerne. Ansonsten sieht die Vorstellung schon recht komplett aus, evtl. kann ich deine Frage direkt nutzen, um ein wenig Werbung für den Bundesverband Community Management e.V. (BVCM) zu machen, den ich im November 2008 mit ins Leben gerufen habe.

Du gehört ja zu den recht alten Hasen im Community Management Geschäft – hat sich aus deiner Sicht in den vergangen zehn Jahren etwas an der Arbeit verändert?

Definitiv ja. Vor zehn Jahren hat im deutschsprachigen Raum noch niemand so recht an den Begriff Community Management gedacht. Foren und Chaträume standen im Mittelpunkt der Kommunikation, die Software-Lösungen waren teilweise noch richtig komplex zu installieren und zu bedienen. Dementsprechend kamen die Betreiber dieser Plattformen primär aus der Techniker-Ecke und der Fokus lag stärker auf der Administration einer Plattform, weniger auf der inhaltlichen Arbeit für und mit den Mitgliedern. Das Verhältnis hat sich heute gedreht, für die Technik gibt es Spezialisten und für die Community Manager stehen andere Aufgaben im Vordergrund. Insgesamt kommen wir langsam an einen Punkt, wo wir wirklich von Community Management sprechen können.

Würdest du uns versuchen in kurzen Worten zu erklären was Community Management für dich ausmacht?

Zu diesem Thema habe ich mir vor einigen Monaten intensiver Gedanken gemacht und den Begriff Community Management für mich folgendermaßen definiert:

Community Management befasst sich mit allen operativen und strategischen Aufgaben und Fragestellungen, die rund um die Konzeption, den Aufbau und das Management einer Online-Community anfallen. Das Aufgabengebiet umfasst dabei sowohl die Betreuung der Mitglieder wie auch die Sicherstellung des Community-Betriebs in Bezug auf technische, rechtliche und monetäre Aspekte.

Wie sieht dein Alltag aus – als Community Manager?

Jeder Tag steckt voller Überraschungen und auch nach zehn Jahren lerne ich täglich dazu, einen wirklichen Alltag gibt es eigentlich nicht. Ganz konkret steht am Anfang eines Tages im Regelfall die Beantwortung von offenen Mitglieder-Anfragen und ein Blick in das Interne Moderatoren-Forum an. Der Kontakt zu den Moderatoren ist enorm wichtig, sie bilden schließlich die Speerspitze zur Community. Ebenso täglich auf dem Plan stehen die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Online-Communitys und Community Management, zum einen für meine eigenen Projekte und zum anderen natürlich auch, um für meine Kunden auf dem aktuellen Stand zu bleiben.


Den ganzen Beitrag lesen…

Dozent an der Journalistenschule von Burda

Burda Logo

Letzte Woche war ich bekanntermaßen in München (hatte ja per Twitter und Facebook fleißig berichtet) und habe dort Schulungen zum Thema Community Management gegeben. Die Frage für wen und wer die Teilnehmer waren habe ich bewusst bis zu diesem Blogeintrag etwas „verschleiert“.

Zukünftig werde ich in regelmäßigen Abständen (das nächste Mal im Januar) für die Journalistenschule von Burda über den Bereich Community Management dozieren und gezielt die Volontäre hierzu schulen.

Der Themenkomplex ist hierbei recht vielseitig und startet mit:

  • Was ist Community Management
  • Wie funktioniert Community Building
  • Wie moderiere ich eine Community
  • Optimierung von Communities
  • Rollenkonflikt eines Community Managers
  • Regeln und Gesetze…

Bis hin zu konkreten Beispielen und Lösungsansätzen

  • Wie gehe ich mit Tollen um
  • Wie nutze ich Kritik
  • Wie aktiviere ich bestimmte Gruppen
  • Praxisbeispiele von Xing, Facebook und Konsorten

Bei den meisten Punkten die ich hier anspreche gibt es kaum oder gar keine Quellen oder Veröffentlichungen. Deshalb war diese Schulung in diesem Format auch etwas bis dato Einmaliges und stütze sich auf den Erfahrungen und dem Erarbeiteten von einigen wenigen Personen. Der Bereich Community Building und asymmetrisches CM wurde von mir erstellt und erarbeitet, während ich beim Thema Moderation auf das Wissen von Daniel Langwasser zurückgreifen konnte. Er hat hierzu wohl die beste Ausführung erstellt die es bis dato gegeben hat.

Was wohl der größte Erfolg innerhalb der Schulung war, dass die Volontäre etwas mitgenommen haben was wohl wesentlich für Community Management ist. Die Vernetzung innerhalb der Gruppe um Problemen und Lösungen zu begegnen. Denn wie wir bei einigen Aufgaben gemerkt haben, gibt es unzählige Wege um zur Lösung zu kommen. Der größte „Skill“ eines Community Managers ist sich innerhalb der Vernetzung Tipps zu holen um am Ende die idealste für seine eigene Community zu finden.

Dies sollten sich nebenbei auch einige Community Manager zu Herzen nehmen…

Zukünftig werde ich in regelmäßigen Abständen (das nächste Mal im Januar) für die Journalistenschule von Burda über den Bereich Community Management dozieren und gezielt die Volontäre hierzu schulen.

Wenn Religion vermarktet wird…

Bin fast vom Stuhl geflogen als ich auf evangelisch.de unterwegs war, denn man muss sich ja als interessierter Beobachter auch anschauen was andere Communities so machen. Jedenfalls habe ich mit vielen gerechnet außer mit einem Video zu… *Trommelwirbel*: Zombieland!

Okay noch mal zurück gespult. Evangelisch.de neu gestartet und unter den Videos geschaut und Tatsache: Der Trailer zum aktuellen Film Zombieland ist dort recht prominent zu finden. Man denkt nichts böses, aber nach einiger Recherche auch gleich die passende Mitteilung gelesen:

Hi-Media übernimmt die Vermarktung von evangelisch.de

Das ist „ähnlich“ wie Zombieland ganz großes Kino! Die Kirche startet die Vermarktung ihrer Online-Plattform evangelisch.de. So etwas muss man sich auf der Zunge zergehen lassen… Besonders spannend wird es wenn die auch kontextbasierte Werbung starten – z.B. mitten in einer Diskussion zur Verhütung auch gleich das passende Verhütterli-Gerät bewerben. Das wäre jedenfalls eine recht offene und entspannte Auslegung des Themas.

Aber Spaß beiseite: Welcher Priester ist den auf diese Schnapsidee gekommen? Ein Portal welches im Auftrag der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland) erstellt wurde wird vermarktet. Wieso nicht auch gleich in den Kirchen ein paar Werbebanner aufhängen? Bestattungsunternehmen freuen sich schon…

Sehen wir die Sache ein wenig sachlicher, auch wenn ich immer noch der Meinung bin: Werbung hat nichts auf der Plattform zu suchen:

Portal ist seit einigen Monaten online und hat definitiv keinen Raketenstart hingelegt! Jedenfalls laut Mitgliederaktivität ist hier noch nicht sonderlich viel passiert. Kein einziger Kommentar bei den News welche heute veröffentlicht wurden (ja ich habe mir alle angeschaut!). Auch die Kreise haben entweder mit wenig Mitgliedern oder kaum Aktivität zu kämpfen.

Also eine Community vermarkten die noch keine Community ist, halte ich für nicht so intelligent. Wieso? Weil man mit der Monetarisierung und der Optimierung einer Community nicht anfangen kann und sollte, wenn man keine hat. Wie wäre es erstmal die Community aufzubauen und zu aktivieren?

Regeln für Social Media Betreiber vom BVDW

Es hat sehr lange gedauert bis der erste Verband Regeln für den Umgang der Betreiber mit seinen Nutzern veröffentlicht hat. Umso verwunderlicher das es sich nur um 6 einfache Regeln handelt welche zum großen Teil sowieso beachtet werden müssen.

1. Respekt
Wir respektieren unsere Nutzer und deren Meinungen und achten auf einen respektvollen Umgang der Akteure untereinander.

Grundkurs Community Management Lesson 1: Wir respektieren unsere Nutzer und deren Meinung. Nebenbei so etwas gilt wohl in fast jeder seriösen Firma, dass die Kunden und deren Meinung respektiert werden. (Ausnahmen finden sich in der Telekommunikationsbranche). Respektvollen Umgang unter den Akteuren ist glaube ich schon seit langem gegeben welche nicht mit einem VZ enden.

2. Sachlichkeit
Wir begrüssen themenbezogene Inhalte und sachliche Kritik.

Der Grundkurs Community Management Lesson 1 hilft ungemein.

3. Erreichbarkeit
Wir reagieren schnellstmöglich und angemessen auf direkte Fragen, Anregungen und Kritik.

Schnellstmöglich ist so ein breites Wort welches zwischen Minuten und Tagen alles sein kann. Auch hier verweise ich auf das Community Management welches hier handeln muss und schon bei fast jedem Portal handelt.


4. Glaubwürdigkeit

Wir stehen mit unseren öffentlichen Aussagen und Meinungen nach bestem Wissen und Gewissen für Transparenz und Glaubwürdigkeit.

Verliere ich denn ansonsten nicht die Nutzer? Glaubwürdigkeit braucht jeder Social Media Dienst alleine Aufgrund der Skandale mit den Daten. Sonst löschen die Nutzer das Profil schneller als man schauen kann.


5. Ehrlichkeit

Wir gehen mit Fehlern offen um und verschleiern sie nicht.

Ehrlichkeit hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun. Ohne Ehrlichkeit bin ich nicht Glaubwürdig… oder sehe ich das falsch?

6. Recht
Wir respektieren die Rechte unserer Nutzer sowie die Rechte unbeteiligter Dritter, insbesondere Urheber- und Persönlichkeitsrechte und Datenschutz.

Wenn nicht verklagen die Nutzer oder die Mitbewerber einen. Deshalb ist diese Regel wohl nur bedingt eine Regel der Ethik sondern Grundvoraussetzung in Deutschland um nicht Unmengen an Geld an Anwälte zu verschleudern!

Fazit:

Etwas unkreative Liste welche da veröffentlicht wurde. Besonders da die meisten Sachen nur mit dem Community Management zu tun haben welches diese Regeln schon seit Jahren befolgt. Wie wäre es mit Punkten wie z.B. Seriöse Monetarisierung? Strikter Maßnahmenkatalog bzgl. Mobbing innerhalb der Community? (nicht nur was öffentlich in Foren passiert). Dann würde man mal auch ein paar Schritte weiterkommen!

CommunityCamp und BrowsergamesForum

Die letzten beiden Wochenende standen im Zeichen von Events die direkt oder indirekt auch mit dem Thema Community Management zu tun hatten.

CommunityCamp 09

Der Monat startete auch gleich mit dem CommunityCamp 09, welches viele Community Manager und Interessierte in Richtung Berlin verschlagen hat. Schön wenn man selbst keine lange Anreise zu erledigen hat. Freitags abends wurde es auch gleich recht gemütlich in einem entspannten Cafe in Charlottenburg. Dort waren unter anderem auch meine Vorstandskollegin Linda Konter und Daniel Langwasser mit von der Partie. Die weiteren Erlebnisse der Nacht können auf dem Twitteraccount von Daniel in Augenschein genommen werden.

Samstag begann dann der erste Block an Panels und Vorträgen. Insgesamt war es eine gute Mischung aus verschiedenen Themen. Leider konnte ich zeitlich nur einem einzigen beiwohnen „Hate Speech“ von Birte – dieser war sehr gut vorbereitet, aber war für mich persönlich etwas weit entfernt von der Praxis. Danach ging es in das Vorstandstreffen des BVCMs in dem Raum in dem vor genau einem Jahr der Verband gegründet wurde. Etwas Nostalgie muss schlussendlich auch sein. Ich denke die Ergebnisse des Gespräches können sich sehen lassen und werden in den kommenden Wochen und Monaten allen Mitgliedern zugänglich gemacht. Danach neigte sich der Abend schon dem Ende zu und es wurde noch zum großen Abendessen geblasen. Georgische Kost war die Wahl von den unerschrockenen Personen: Silke, Linda und Kollegin, Jean-Paul, Daniel, Simone und meiner Wenigkeit. Tolle Gespräche und noch einen großen Dank an Jean-Paul für das tolle Feedback. Für mich war am Samstag auch schon Schluss, da ich sonntags gesundheitlich nicht fit war. Dies konnte man im ersten Videocast auch ganz gut sehen.

BrowsergamesForum

Browsergames und auch deren Betreiber leben nun mal von den Communities die sich im und um das Spiel bilden. Dementsprechend hätte man erwarten können, dass dem Bereich Community ein großes Augenmerk geschenkt wird, leider war dem nicht ganz so. Insgesamt waren es dann 4-5 Panels aus dem keines richtig herausstechen konnte mit neuen Informationen – wobei eines es geschafft in einige Twitterfeeds von mir vorzukommen. Man kann sagen, dass ich recht erbost war wie das Panel „Community and the fight against Cheaters“ gehalten wurde, denn im ersten Block „Community“ ging es rein um eine Plattform und deren Funktionen. Keine dieser Funktionen war wirklich innovativ oder nicht schon von verschiedenen anderen Plattformen umgesetzt. Sicher im Browsergames Bereich ist das etwas neuer, aber trotzdem hatte ich da etwas mehr erwartet. Dann kam die zweite Person zum Zug beim Bereich „fight against Cheaters“. Insgesamt muss hier klar gesagt werden, dass einzelne Aussagen nicht gerade glücklich gewählt wurden: „Opfer dürfen nicht entschädigt werden“, „Cheater sollten nicht gebannt sondern nur etwas bestraft werden“, um dann gegen Ende doch etwas vom Rauswurf der Cheater zu sagen…. Wie gesagt insgesamt etwas unglücklich, aber sicher nicht so schlecht wie es meine Twitterposts ausgesagt haben.

Irgendwie habe ich in den letzten Wochen bei den Veranstaltungen gehofft etwas wirklich „Neues“ aus dem Bereich Community Management zu hören, aber dem war leider nicht so. Hoffe der ein oder andere Community Manager erzählt zukünftig etwas mehr über seine praktischen Erfahrungen und hält sich nicht so stark in der Theorie auf…

Interview zum neuen Spiel und Planung mit stationärem Handel

Derzeit arbeite ich als verantwortlicher Marketing-Mensch an dem Spiel Fame2u, welches im nächsten Monat veröffentlicht wird. In dem Branchenmagazin „Der Medien Markt“ wurde ich näher zum Thema Distribution unserer Boxversion befragt. Für viele scheint es ungewöhnlich ein Online-Spiel (Browsergame) auch über eine Box im Handel zu vertreiben.

Das komplette Interview

Nebenbei finde ich es nicht ungewöhnlich langfristig den stationären Handel stärker in den Umsatz eines Produktes zu beteiligen. Besonders bei Produkten die ihren Lebenszyklus im Online-Segment haben, müssen langfristig auch einen Mehrwert für den Handel bieten. Ich freue mich hierzu in den kommenden Wochen ein System mitzuentwickeln wie dies bei Browsergames realisiert werden kann. (natürlich kann dies dann für jegliche Produkte gelten)