Technische Tools fürs Community Management: Teil 1 Faker und Moderation

Diese Woche, voll mit Themen und Gesprächen über Community Management, hat mir eines deutlich gezeigt: Die meisten Communities und Social Media Dienste haben nur rudimentäre Tools für die Moderation der Nutzer. Besonders schade, denn einige „kleinere“ Entwicklungen könnten die Arbeit für den Community Manager deutlich vereinfachen. Deshalb hier einige Vorschläge was durchaus Sinn machen würde…

Faker/Doppelaccounts

IP-Adressen und Co

Ein sehr großes Problem ist hierbei der deutsche Datenschutz, der es nicht erlaubt, IP-Adressen mit dem User zu verbinden. Dies kann man bedingt ein wenig umgehen. Welche Möglichkeiten wären vorhanden?

  • Bei der Anmeldung muss eine Session ID + Bestätigungsmail an den Nutzer gehen. Hierbei muss eindeutig bestimmt werden können, über welche IP Adresse er sich beim Portal angemeldet hat. Diese Daten können recht schnell mit den anderen Nutzern, die sich an dem Tag angemeldet haben, verglichen werden. Denn meistens erstellen Faker 2-3 Accounts an einem Tag.
  • Während der eigentlichen Session, in der der User eingeloggt ist, kann gecheckt werden, ob es einen zweiten Nutzer mit der gleichen IP gibt.

Optimalerweise es gibt ein extra Bereich mit der Info, welche User während der Session und der Anmeldung die gleiche IP Adresse hatten. Sicher kommt es vor, dass einige aus dem gleichen Netzwerk (Firma, Familie usw.) sich anmelden/registrieren und entsprechend die gleiche IP haben. Aber oft erkennt man relativ schnell die Faker.

Faker-Mail-Adressen

Fast jeder Nutzer hat mehrere Emailadressen die er entsprechend nutzt. Trotzdem kann man je nach Netzwerk relativ schnell erkennen, ob eine Mailadresse auch ein Fake sein könnte. Bei XING ist die Emailadresse „hotchick@“ wohl eher selten anzutreffen. Heißt, man kann je nach Netzwerk nach kurzer Zeit bestimmen, ob eine Mailadresse zu einem echten Nutzer gehört oder als Fakeadresse genutzt wird. So etwas funktioniert aber nur bei Netzwerken, die auch auf Echtnamen zielen.

Textvergleich/Stil

Textvergleiche von den Nutzern – wer schreibt ähnliche Texte oder benutzt häufig bestimmte Wörter. Im Endeffekt habe ich diese technische Lösung noch nirgends in einer Community gesehen, aber sie macht Sinn. Wie funktioniert es?
Im Endeffekt liest ein Bot bzw. der Server die Texte aller Nutzer aus und erstellt dementsprechend ein Profil. Welche Wörter oder „Kreationen“ werden am Häufigsten genutzt. Danach werden die Nutzer gegenüber gestellt und die Info geht an den CM. Dieser kann dann herausfiltern, in wie weit die Wahrscheinlichkeit eines Doppellaccounts vorhanden ist. Vorteil dieser Methode ist, dass wenige Menschen unterschiedliche Schreibstile imitieren können. Jedenfalls im semiprofessionellen Bereich nicht.

Moderation und Trolle

Nach dem Aufbau der Community kommt der Moderation die größte Bedeutung zu. Heißt, je mehr Hilfen eingebaut werden, desto schneller und effektiver kann die Moderation von statten gehen.

Trustsystem für Nutzer

Mein Lieblingsthema auf allen möglichen Veranstaltungen. Bis dato gab es kaum einen Community Manager, der keine feuchten Augen bekommen hat, weil er genau so etwas haben möchte. Im Endeffekt ist dies eine bessere Skalierung der Nutzer in bestimmte Gruppen.
Kurz zu der Funktionsweise:
Das System ist eine Mischung aus menschlichen Bewertungen und technischen Informationen. Heißt, der Nutzer bekommt für viele Aktivitäten Punkte oder Minus-Punkte. Je nachdem wie er/sie sich anstellt. Jeder neue Nutzer startet mit einer negativen Punktezahl, da er Anfangs ja auch etwas stärker beobachtet werden muss. Einfach, um zu sehen, in welche Richtung seine Aktivität geht. Aufgrund der Größe seines Freundesnetzwerkes und eines vollständig ausgefüllten Profils (wichtigen Punkte) kann er diese negative Zahl etwas ausgleichen. Zusätzlich erhält er auch Trust von seinem Freundesnetzwerk – quasi wie beim Pagerank erhält er einen „Vertrauensbonus“ wenn er Freunde hat, welche schon positiv aufgefallen sind.
Die technischen Möglichkeiten hören im Endeffekt an diesem Punkt auch schon auf. Ab hier gibt es nur noch das checken der Beiträge durch Moderatoren und Admins. Diese schauen im Endeffekt die Beiträge der Personen mit negativem Punktestand und sehen in welche Richtung sich der User entwickelt, geben ihm entsprechend einen Vertrauensbonus oder entziehen im diese. Je höher das Vertrauen (Trust) ist, desto mehr oder schneller werden Prozesse bei ihm durchgeführt. Beispiel: Er erhält ohne Überprüfung eine eigene Gruppe (Xing) oder kann eine Fanpage starten (Facebook). Nutzer mit negativen Werten erhalten diese Möglichkeit nicht und müssen erstmal innerhalb der Community zeigen, dass sie Teil dieser sind. Gegebenenfalls muss hier mehr überprüft werden.
Das Ziel dieses Trustsystem ist, die Problemfälle und Beiträge von den anderen rauszufiltern, ohne wirklich alles lesen zu müssen. Dieses Trustsystem ist besonders bei sehr großen Communities eine Erleichterung der Arbeit – auch wenn es Anfangs ein gewisses Maß an Aufwand mit sich bringt.

Der unsichtbare Troll

Diese Funktion gibt es bei einigen Foren und CMS Systemen schon. Die Weisheit „Dont feed the troll“ wird hier genutzt, um einem Troll das Interesse zu entziehen. Der Troll kann sich im gesamten Forum aufhalten und Beiträge schreiben, diese werden auch für Ihn normal veröffentlicht. Die restliche Community sieht im Endeffekt diese Beiträge aber nicht mehr. Oft genug durfte ich schon die Zeilen eines Trolls lesen „Wieso antwortet mir keiner…“. Spätestens dann ist der Plan aufgegangen. Diese Funktion sollte auf jeden Fall jede Community haben.

Hoffe der erste Teil der technischen Möglichkeiten fürs Community Management war interessant. Habt ihr noch für Faker und Trolle technische Ideen, dann schreibt einfach in die Kommentare. In den kommenden Tagen wird es dann mit Community Building und Asymmetrischem Community Management weiter gehen. Über Feedback freue ich mich natürlich!


 
 
 

6 Kommentare zu “Technische Tools fürs Community Management: Teil 1 Faker und Moderation”

  1. Community Management Blog
    20. Januar 2010 um 20:10

    Gute Zusammenfassung!

    Zur IP-Speicherung:
    Auch wenn es aus datenschutzrechtlichen Gründen grundsätzlich bedenklich ist, gehen die Meinungen bzgl. der Zulässigkeit der Speicherung von IP-Adressen meiner Ansicht nach immer noch auseinander. Einige RA vertreten weiterhin die Ansicht, dass es gerade für Foren- / Community-Betreiber zulässig sein kann, die IP-Adressen zur Verfolgung von Mißbrauch (Spam, Beleidigungen, etc.) durch Mitglieder verfolgen zu können.

    Ein weiterer Ansatz wäre, sich alternativ einfach die Zustimmung der Benutzer zur Speicherung der IP-Adressen einzuholen. In wie weit dies zulässig wäre, kann ich allerdings nicht sagen.

    In der Praxis gehe ich davon aus, dass nahezu alle Community-Betreiber weiterhin fleißig die IP-Adressen speichern. Mit Sicherheit oft bewusst, in vielen Fällen aber sicher auch unbewusst, da gängige Community-Tools die Speicherung automatisch vornehmen und nur in den seltensten Fällen diese Funktion separat abgeschaltet werden kann.

    Zum Trust-System:
    Die Idee finde ich vom Grundsatz her immer noch sehr gut. Hast du Erfahrungswerte, wo solche Systeme in der Praxis zum Einsatz kommen? Nicht vernachlässigt werden sollte dabei aber, dass das System auch gewisse Risiken in sich birgt. Der Aufwand für Spammer und Trolle wird um ein vielfaches erhöht. Macht sich allerdings jemand die Mühe, einen “guten” Fake-Account aufzubauen und erhält ein entsprechenden hohen Trustrank, läuft für lange Zeit unterhalb des Radars des Community Management (“das System kümmert sich ja…”) und kann erheblichen Schaden anrichten.

  2. Community Management Blog
    20. Januar 2010 um 20:28

    Und wenn du diese lästigen Retweets endlich mal aus den Kommentaren werfen würdest, könnte man auch die richtigen Kommentare besser finden… Der Nutzwert ist genau Null.

  3. Ralea
    20. Januar 2010 um 20:33

    Hi Daniel,

    solche Systeme kommen im Bereich Community noch gar nicht zum Einsatz – sondern werden bei Google für Webseiten genutzt. Im Endeffekt sagt der Pagerank etwas über den Trust der jeweiligen Seite aus.

    Ich gebe dir recht ein guter Fake-Account kann Schaden anrichten, aber dies kann er auch ohne “Trust-System”. Das System soll die CMs nicht vom denken und nachschauen abhalten, sondern eine erste ungefähre Information über den User geben.

    Denke besonders bei großen Communities kann hiermit wirklich eine sinnvolle Hilfe eingebaut werden.

    WICHTIG: Eine technische Hilfe unterstützt nur den CM und nimmt ihm nicht die Arbit ab! Im normalen Leben sagt man auch nicht: “das System kümmert sich…” sondern nutzt die zusätzlichen Infos um Schlüsse zu ziehen.

  4. Andreas Jürgensen
    22. Januar 2010 um 10:52

    Für die Forensoftware vBulletin gibt es ein praktisches Add-On mit dem aussagekräftigen Titel “Multiple Account Detection & Prevention”, das ich in einigen Plattformen einsetze:
    http://www.vbulletin.org/forum/showthread.php?t=199077

    Basiert sowohl auf IP-Adressen als auch auf Cookies – nicht wasserdicht, deckt aber die schlimmsten (technisch nicht versierten) Trolls und Spammer auf und sperrt sie automatisch (falls gewünscht).

    Trust-Systeme sind sicher ein guter Weg, die entsprechenden Stellschrauben (wofür gibt es wie viel Punkte?) sind aber schwierig einzustellen. Solche System bekommen IMHO oft eine Eigendynamik – Mitglieder posten wie bescheuert Kurzbeiträge (weil das Punkte gibt), spammen andere mit Freundschaftsanfragen zu (weil das Punkte gibt) oder finden sich zu Seilschaften zusammen, die sich gegenseitig über den Klee loben (weil das Punkte gibt) und andere schlecht bewerten (weil das Punkte kostet…).

    Da müsste man mal einen Doktoranden der Psychologie oder Soziologie dransetzen ;)

    Für den “unsichtbaren Troll” habe ich anderswo mal die hübsche Bezeichnung “Hase Harvey” gefunden (http://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Freund_Harvey_(1950))

    Gruß
    Andreas

  5. Ralea
    22. Januar 2010 um 13:54

    Hi Andreas,

    danke für dein Feedback. Ja das vbulletin Board hat dieses Add-on aber so etwas nutzen noch nicht alle.

    Was das Trust-System angeht, so soll dieses nur im Backend laufen. Heißt der normale User bekommt davon überhaupt nichts mit. Es ist nur für das CM/Moderatoren sichtbar. Dementsprechend kommt auch niemand auf die Idee wie bescheuert Kurzbeiträge zu posten – außerdem wird dies relativ schnell erkannt und der Nutzer wird “abgestraft”.

    PS: Hase Harvey… ja der ist mir bekannt!

  6. Andreas Jürgensen
    22. Januar 2010 um 19:55

    > Was das Trust-System angeht, so soll dieses nur im Backend laufen.

    Ah, OK! Interessanter Ansatz, unter diesem Gesichtspunkt kann ich in meinen Foren mal das Renomee System anschmeißen…

    Gruß
    Andreas

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